Redrock Micro eyeSpy Balance – Schulterhalterung im Test

Auf der Suche nach Zubehör für Video-SLRs hatte ich im April erstmals von Redrock Micro erfahren. Zu diesem Zeitpunkt bot der Hersteller schon einige Monate zwei Videohalterungen für die neuen Kameras an und kam gerade mit einer neuen Produktreihe auf den Markt, der „DSLR 2.0“-Serie. Der nachfolgende Test handelt von der Schulterhalterung „eyeSpy Balance“.

Wie schon angesprochen, läßt die Handhabung einer videofähigen SLR bei der Bewegtbildaufnahme zu wünschen übrig. Einige Zubehörhersteller für normale Videokameras wie Zacuto und Redrock Micro haben diesen Umstand schnell erkannt und bauen Halterungen „um“ die im Vergleich mit einer „echten“ Videokamera kleinen SLRs. Die SLRs werden damit schwerer und stabiler handhabbar.

Lego für Erwachsene

Das Sortiment von Redrock Micro umfaßte Mitte 2009 eine schon beachtliche Anzahl verschiedener Stangen, Verbindungen, Klammern, Schulterstützen und Grundplatten aus denen eine Auswahl von „Bundles“ zusammengestellt wurde, die man komplett kaufen kann. Später kann man weitere Teile nach eigenem Wunsch bestellen und damit seine ganz persönliche Halterung zusammenbauen. Wie früher bei den Lego-Sets – es gab eine „normale“ Art, die im Päckchen enthaltenen Steine zusammenzusetzen, auf der Rückseite der Packung waren weitere Vorschläge abgedruckt und man konnte seiner Phantasie freien Lauf lassen und die Steinchen wild kombinieren. Bei den Videohalterungen hat man dazu noch das für Erwachsene beruhigende Gefühl, mit dem Ergebnis etwas Sinnvolles anfangen zu können.


[Einige Teile der eyeSpy-Halterung (die Lupe gehört allerdings nicht dazu), Bild aus einem Video von Redrock Micro]

Entscheidungsfindung

Redrock Micro ändert ab und zu die Spezifikationen ihrer Halterungen und fügt neue Teile zum Programm hinzu. Als ich zuerst nach einer Halterung suchte, erschien mir der „Captain Stubling“ am interessantesten, mir war aber nicht klar, ob ich den Follow-Focus wirklich brauchen würde. Bisher hatte ich so eine Vorrichtung noch nie ausprobiert und kam ganz gut mit dem Fokussieren am Objektiv zurecht.

Dann wurden die eyeSpy-Konfigurationen dem Angebot hinzugefügt und mir gefiel die Idee gleich, die Kamera auf der Schulter abzustützen. Dies hatte ich selbst bei der Canon XH-A1 vermißt, die man zwar mit etwas Mühe gegen die Schulter pressen, aber nicht darauf ablegen konnte. Es gab drei Varianten zur Auswahl: eyeSpy „Standard“, „Balance“ und „Deluxe“. Da ich mir hinsichtlich des Follow-Focus‘ noch nicht sicher war, fiel die teuerste Variante heraus und zuerst meinte ich, mit der billigsten auszukommen, entschied mich dann aber dem vermuteten Komfort zuliebe für die Mitte: eyeSpy „Balance“ mit zwei hinten anhängbaren Gewichten.

Geduld ist eine Tugend

Da es sich bei Redrock Micro um eine kleinere us-amerikanische Firma handelt, die weitgehend auf Online-Bestellung und Versand setzt und keine „Filiale“ hierzulande unterhält, kann man die Produkte leider nicht vorher ansehen und in die Hand nehmen. Der englische Händler „Production Gear“ verkauft viele Redrock-Micro-Produkte, der deutsche Händler DVCut hat nur die zwei alten „Cinema Bundles“ im Angebot. Aus diesem Grund kann es sich lohnen, bei Production Gear zu bestellen – sie liefern auch nach Deutschland und es fällt kein Zoll an. Vorher sollte man allerdings die Preise mit denen aus dem amerikanischen Onlineshop von Redrock Micro vergleichen und natürlich Dollar-zu-Euro- und Pfund-zu-Euro-Kurse beachten.

Wenn man direkt bei Redrock Micro bestellen möchte, muß man vorab mit einer Kreditkarte zahlen, das Produkt geht dann in die Produktion und wird angeliefert. Auf den Webseiten des Onlineshops kann man die geschätzte Lieferzeit herausbekommen, wenn ich mich recht erinnere, lag sie damals bei 10 Werktagen. Nach 5 Wochen war das Paket dann auch bei mir. Zwischendurch schaute ich auf den Webseiten nach, ob es etwas Neues gäbe und entdeckte per Zufall, daß sich die Konfiguration des eyeSpy Balance geändert hatte – wurde es vorher mit einer „Cheeseplate“ an der „Rod Clamp“ geliefert, welche die hinteren Gewichte hielt, hatte die Firma nun die Gewichte so verändert, daß man sie direkt an die Rod Clamp schrauben konnte und die Cheeseplate eingespart (und den Preis des Bundles gesenkt).

Es schadet also nicht, zwischendurch mal nachzusehen, ob es neue Dinge gibt – im September hat Redrock die eyeSpy-Halterungen noch mal überarbeitet, diesmal deutlicher. Sie werden nun mit Karbonfaser-Stäben und einer anderen seitlichen Verlängerung geliefert, welche nach oben gebogen ist (die alte, wie man auf meinen Bildern sieht, ist flach und faßt drei Stäbe zusammen, nicht vier wie die neue). Die nach oben gebogene Erweiterung hebt die Kamera höher, damit sie direkt im Blick des Kameramanns liegt – ich hatte aber auch mit der alten Variante keine Probleme.

Erste Eindrücke

Nachdem ich alle Einzelteile aus dem Paket vor mir auf dem Boden ausgebreitet hatte, war mir noch nicht ganz klar, wie ich die Schulterstütze zusammensetzen sollte. Eine Anleitung wurde nicht mitgeliefert, dafür ein Hinweis auf die Webseiten, auf denen man hier ein Video findet, in dem erklärt wird, wie man verschiedene Halterungen, darunter die eyeSpy, zusammenbaut.

Die verschiedenen Teile der Videohalterung sind sauber gearbeitet und wirken stabil. An der Schulterstütze war bei mir eine seitliche Schraube zu lang (oder das gefräste Loch zu kurz), diese konnte ich zum Glück gegen eine andere Schraube des Handgriffs tauschen. Auf der DSLR-Baseplate war ein langer Kratzer, was bei einem neuen Produkt ärgerlich ist, aber die Funktion natürlich nicht einschränkt.

Auf einem Stativ


[Die eyeSpy Balance auf einem Manfrotto 503HDV-Videokopf mit einer Canon 5D Mark II und einem 24mm-Nikkor.]

Die Schulterstütze („microShouldermount“ genannt) ist raffiniert erdacht, denn sie ist unten wie eine Manfrotto-Stativplatte geformt und paßt damit direkt in manche Manfrotto-Videoköpfe. Wie es aussieht, allerdings nur in die 501er Köpfe und nicht in meinen 503HDV.


[Die Schulterstütze auf Manfrotto-Stativplatte auf dem Videokopf 503HDV.]

Darum benötige ich die Stativplatte weiterhin – diese kann man entweder mit einer kleinen (paßt in die meisten Kameras) oder einer größeren Schraube an der Schulterstütze festmachen. Da die Videohalterung mit den hinteren Gewichten ziemlich schwer ist, habe ich mich für die größere Schraube entschieden. Leider tendieren beide Schrauben dazu, sich nach einiger Zeit zu lockern (die Stativplatte ist eben nicht für eine so hohe punktuelle Belastung gedacht) und dann kann sich die Halterung auf dem Stativkopf ungewollt zur Seite drehen.

Vielleicht erscheint es auf den ersten Blick unnötig, eine Schulterhalterung auf ein Stativ zu stellen. Bei dem Gewicht ist man allerdings nach einer Weile auf der Schulter froh, sie auch mal anderswo abstellen zu können. Weil die Halterung keinen ebenen Boden hat, ist sie auch nicht so leicht auf eine gerade Fläche zu stellen. Einen weiteren Vorteil hat die Kombination Stativ-und-Halterung noch: Man bekommt damit butterweiche Schwenks hin, die vorher auf Grund des geringen Gewichts der Kamera allein nicht möglich waren.

Auf der Schulter

Zuerst schraubt man die „DSLR-Baseplate“ an die Kamera, was griffig und schnell klappt. Die Baseplate ist relativ hoch, für den photographischen Gebrauch möchte man sie daher wieder entfernen.


[Canon 5D Mark II mit der DSLR-Baseplate.]

Danach läßt man die Kamera mit der Baseplate einfach auf zwei parallele Stäbe schnappen und dreht die seitliche Schraube fest – fertig. Von vorn sieht das dann etwa so aus:


[So sieht das Motiv die eyeSpy Balance.]

Ein erster Test

Die Schulterstütze liegt gut auf der Schulter auf, für langes Filmen empfiehlt es sich eventuell, eine weiche dickere Jacke oder einen Pullover als Polsterung anzuhaben. Mit dem Griff kann man das ganze Konstrukt gut halten und auch führen, bei schnelleren Bewegungen fühlt man sich aber sicherer, wenn man noch die andere Hand dazunimmt und diese den linken Metallstab festhält. Auf diese Weise hält man die Kamera auch ruhiger und sie kippelt nicht so leicht auf der Schulter. Muß man die linke Hand zum Fokussieren ans Objektiv führen, erhält man auch eine leichte Stabilisierung – gefährdet diese aber durch das Fokussieren selbst wieder.


[Gut ausbalanciert mit zwei Gewichten hinten und leichtem Objektiv vorn.]

Stabilität und Bedienung der Kamera

Die Stabilität der Kamera wird durch die Schulterhalterung deutlich verbessert. Es ist nun vor allem möglich, sie längere Zeit in einer Position zu halten – auch etwas längere Einstellungen können so ohne merkliches Ruckeln gelingen. Wesentlich ist auch, daß einem die Arme vom Halten nicht mehr so schnell wehtun.

Ein Problem taucht allerdings auf – die rechte Hand hält nun den Griff der eyeSpy und ist nicht mehr für das Ändern der Belichtung oder Starten und Stoppen der Aufnahme frei.


[Eine dritte Hand wäre jetzt praktisch.]

Nutzt man ein Objektiv mit Blendenring am Adapter, kann man zum Glück die Blende mit der linken Hand einstellen – sonst müßte man dafür zum hinteren Daumenrad greifen. Zum Starten und Stoppen der Aufnahme muß man das allerdings sowieso, denn der Set-Knopf liegt inmitten des Daumenrads. Die Belichtungszeit ändert man mit dem kleinen Rad über dem Auslöser – dies ist bei Videoaufnahmen zum Glück selten erforderlich. Weit häufiger möchte man die Empfindlichkeit der Kamera ändern, dafür muß man blind (denn mit der eyeSpy auf der Schulter liegt die Kamera zu hoch, um den Knopf zu sehen) den zweiten kleinen Knopf von rechts erwischen und dann am kleinen Rad drehen. Ich wünschte, man könnte diese Einstellung auf das Daumenrad legen.

Transport

In einer großen Tasche läßt sich die Halterung transportieren, nachdem man die Gewichte und den Handgriff abgenommen hat. Diese lassen sich in ein paar Sekunden wieder daranbauen. Die Halterung ist aber auch auf diese Art verkleinert so sperrig, daß sie in der Tasche nicht viel Platz für andere Dinge läßt. Eine praktischere Art des Transports ist mir leider noch nicht eingefallen.


[Die eyeSpy Balance paßt halb auseinandergebaut der Länge nach gerade so in eine große Schultertasche (Lowepro Commercial AW) hinein.]

Der zweite Einsatz

Ihren zweiten richtigen Einsatz hatte die eyeSpy Balance beim Dreh von In the Middle of the Night. Als Mona die Treppe hochläuft, fahre ich mit der eyeSpy auf der Rolltreppe daneben und als Mona auf der Rolltreppe stehend nach oben fährt, kniee ich hinter ihr.

Fazit

Wenn man sich die Preisliste von Redrock Micro ansieht, fragt man sich erst einmal, warum ein paar kleine Metallteile so viel kosten sollen. Sieht man sich aber die Preise der Mitbewerber an, kommen einem die Produkte von Redrock Micro schon wieder günstig vor. So ist der Preis letztlich eine Frage der Perspektive. Vielleicht müssen wir aus dem Photobereich kommenden Nutzer uns an die höheren Preise im Videobereich erst gewöhnen; immerhin werden hier auch nicht solche Stückzahlen umgesetzt.

Die Benutzung der eyeSpy Balance macht auf jeden Fall Spaß und verbessert die Handhabung wesentlich. Die SLR läßt sich damit wie eine richtige Videokamera halten und führen. Ich möchte eine Video-SLR freihand nicht mehr ohne sie benutzen.



Dank an Marc Hesse für das Modellstehen.


 
 
 

10 Kommentare zu “Redrock Micro eyeSpy Balance – Schulterhalterung im Test”

  1. Marcus
    20. November 2009 um 23:34

    Hallo,

    vielen Dank für diesen guten Artikel. Überlege auch gerade, ob ich mir das RedrockMicro DSLR Rig kaufen soll. Dann allerdings das Deluxe Bundle mit Follow Focus. Hast Du da bereits Erfahrungen mit?

    Herzliche Grüße aus dem Süden

    Marcus

  2. Alexander
    21. November 2009 um 01:25

    Hallo Marcus,

    Ich habe mir tatsächlich inzwischen noch ein anderes Paket (Captain Stubling) mit Follow-Focus gekauft, bin allerdings noch nicht recht dazu gekommen, dieses zu testen. Das wird aber hoffentlich noch vor Weihnachten etwas.

    Aus dem Bauch heraus stelle ich es mir schwierig vor, mit einer Schulterhalterung, auf der man die Kamera ja nie ganz ruhig halten kann, sie also auch immer etwas vor oder zurück bewegt, richtigen Nutzen aus dem Follow-Focus zu ziehen. Das stelle ich mir auf dem Stativ einfacher und genauer vor – aber man kann die eyeSpy ja auch auf ein Stativ stellen.

    Herzliche Grüße, Alexander

  3. Marcus
    24. November 2009 um 12:24

    Klingt interessant. Kann man den „Captain Stubling“ auch auf ein Stativ stellen?

  4. Alexander
    24. November 2009 um 23:59

    Hallo Marcus,

    Nein, von sich aus nicht. Es gibt mehrere Ideen dazu, Redrock bietet mittlerweile eine „Stativkupplung“ bestehend aus einer Rod Clamp und der Cheeseplate an. Außerdem könnte man theoretisch (und billiger) die microShouldermount Rod Clamp umdrehen (wie hier beschrieben) – leider macht sich das mit den kurzen Stäben, welche beim Captain Stubling dabei sind, ziemlich schlecht, da diese Rod Clamp viel Platz braucht. Bin auch noch am Überlegen, wie ich das am besten mache…wenn ich es weiß, werde ich darüber schreiben.

    Grüße, Alexander

  5. Daniel
    6. März 2010 um 20:21

    Hast du inzwischen den Follow Focus V2 getestet? Ich bin gerade am Überlegen, ob ich mir einen kaufen soll!

    Grüße, Daniel

  6. Alexander
    8. März 2010 um 01:15

    Hatte noch keine Zeit für einen ausführlichen Test mit Bildern, aber hier mein Zwischenfazit: Empfehlenswert. Das Drehen geht wirklich weich und präzise. Mit dem Captain Stubling kann man den Follow Focus wirklich mit einer Hand bedienen, während man mit dem kleinen Finger noch den Haltegriff stützt – dann schafft man aber keine volle Umdrehung mit dem Rad mehr. Vorteilhaft ist vor allem die leichtere Kennzeichnung von Fokuspunkten mit einem (trocken abwischbaren) Stift und daß man diese im Gegensatz zu den Zahlen auf dem Objektiv auch noch von hinten sehen kann, wenn man (nebenbei) auf den Bildschirm sieht. Für „Action“-Aufnahmen mit der Schulterhalterung werde ich allerdings vermutlich weiter direkt am Objektiv drehen…mal sehen.

    Grüße, Alexander

  7. Sascha
    28. Mai 2010 um 12:35

    Moin Alexander,

    auch von mir ein Dankeschön! Dein Artikel ist eine echte Hilfe.
    Bei meiner Suche nach einem Händler bin ich noch auf den hier gestoßen:
    http://newi.de/media-shop/redrock-eyespy-deluxe-bundle-dslr-p-3621.html

    Herzlichen Gruß,
    Sascha

  8. Hochzeitsfotograf
    11. September 2010 um 23:23

    Wie viel haben Sie Zoll bezahlt? Ich überlege mich gerade ob ich in USA oder bei newi.de bestellen soll. Diese Frage für alle interessant wäre. Danke.

  9. Alexander
    12. September 2010 um 00:16

    Ich persönlich finde die Preise von newi.de zu hoch. Da es schon eine Weile her ist, weiß ich die Zollgebühren nicht mehr auswendig, das sollte sich aber mit ein wenig googeln herausfinden lassen – Zoll ist nicht besonders viel, aber 19% Mehrwert-/Einfuhrumsatzsteuer kommen auch noch dazu.

  10. Alexander
    26. September 2010 um 16:03

    P.S.: Dafür liefert newi.de sehr schnell. Wenn man also etwas Kleines kurzfristig benötigt, mag man es sich doch überlegen.

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