Sony NEX-VG10 – kompakte Videokamera mit Wechselobjektiven

Sony ließ sich im Vergleich mit Nikon und Canon viel Zeit, stattet die neu vorgestellten Kameras aber nun auch mit einer Videofunktion aus. Spannender ist die kürzlich gezeigte und ab Oktober lieferbare NEX-VG10 – eine richtige Videokamera mit Wechselobjektiven.

Ich hatte gehofft, daß ein großer Kamerahersteller diese Idee aufgreift, aber daß es ausgerechnet Sony tun würde, hatte ich nicht erwartet.

Sonys neue Kamera gibt es für rund 2000 Euro ab Oktober zu kaufen – vorab wurde sie auf der IFA gezeigt. Daß Sony überhaupt Kameras auf der IFA ausstellte, muß man ihnen hoch anrechnen, Canon und Nikon fehlten völlig. Für Photographen oder Video-Interessierte hatte die IFA allgemein wenig zu bieten – Eizo war ebenfalls abwesend, Marantz zeigte keine Audiorekorder (sondern nur Verstärker); die Messe in Berlin war wirklich keine Ausstellung für die Produzenten von Bild- und Tonmaterial. Dafür muß man Ende September nach Köln zur Photokina fahren.

Mit der NEX-VG10 hat Sony einiges richtig gemacht. Sie liegt gut in der Hand, eben wie eine richtige Videokamera. Der Daumen der rechten Hand ruht über dem Aufnahmeknopf. Hinten ist viel Platz für einen großen Akku, der die Kamera 2,5 Stunden (oder 5,5 bei einem noch größeren) mit Strom versorgt. Durch den APS-C-großen Sensor hat sie eine Video-SLR-typisch geringe Schärfentiefe. Sony nutzt aber nicht das von SLRs bekannte Sony/Minolta-A-Bajonett, sondern das mit der NEX-3 und NEX-5 vor kurzem eingeführte E-Bajonett. Für dieses neue Bajonett sind noch sehr wenige Objektive verfügbar, die „großen“ Sony-Objektive kann man allerdings mit einem Adapter anschließen.

Ein großer Vorteil beim Filmen ist das verhältnismäßig große, seitlich ausklappbare, schwenkbare Display. Auch der oben angebrachte Griff ist nützlich. Warum Sony die Buchsen für USB und HDMI im Handgriff unter einer Abdeckung untergebracht hat, erschließt sich mir nicht, so kann man die Kamera nicht mehr normal halten, wenn ein externer Monitor angesteckt ist.

Die Kamera nimmt Vollbilder auf, welche Sony allerdings als Halbbilder (1080i50) speichert. Die Datenrate liegt mit 24 MBit/s bei gut der Hälfte der aktuellen Canon-Video-SLRs (44 MBit/s).

Ich konnte die Kamera auf der IFA selbst in die Hand nehmen. Ihre Form und Handlichkeit läßt sie jedem Videofilmer ans Herz wachsen, trotzdem würde ich beim Preis von 2000 Euro immer noch die Canon 5D Mark II wählen.

Meine Gründe gegen die Sony sind die geringe Videobitrate, ein kleinerer Sensor, die bisher schwache Objektivauswahl und allgemein schlechter erscheinende Verarbeitungsqualität.

Die Sony ist praktischer für den Videobetrieb, die Canon ist professioneller.


 
 
 

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