…und dann wäre da noch: Die Canon 5D Mark III

Heute hat Canon die Nachfolgerin der gefeierten 5D Mark II vorgestellt. Haben wir mehr erwartet? Ich würde sogar sagen, wir haben mehr verdient.

Ich vermute, Canon hat nicht nur mich mit der Vorstellung der „Mark III“ überrascht. Das Vorgängermodell hat den Video-SLRs den Weg geebnet und fast im Alleingang eine ganze Branche umgekrempelt. Das war im Herbst und Winter 2008, seitdem sind mehr als drei Jahre vergangen. Was habe ich mir damals für eine Nachfolgerin ausgemalt – drei Jahre sollten doch genug Zeit sein, um uns höhere Farbtiefen, Auflösungen und Bildraten zu bringen?

Vor kurzem hat mich Nikon in dieser Hinsicht enttäuscht. Was liefert uns Canon?

Fangen wir mit den Enttäuschungen im Videomodus an:

  • 8 Bit Farbtiefe (wie in der Mark II)
  • Farbinformationen 4:2:0 (wie in der Mark II)
  • Bildraten 24, 25 oder 30 B/s in 1920 x 1080 Pixeln (wie in der Mark II)
  • Bildraten 50 und 60 B/s in 1280 x 720 Pixeln (wie in allen anderen Canon-Kameras)

Kommen wir zu den Verbesserungen im Vergleich zur Mark II:

  • Knapp 30 Minuten Aufnahmedauer am Stück
  • Intraframe-Kompression (wie in der 1D X)
  • Timecode
  • Veränderung des Audio-Pegels während der Aufnahme
  • Kopfhörer-Ausgang (wie in der Nikon D4 und D800)
  • leicht größerer Monitor (3,2″) mit der gleichen Auflösung wie bei der 600D
  • volle Auflösung über HDMI während der Aufnahme, allerdings mit sichtbaren Anzeigen und nicht für die Aufnahme über HDMI gedacht

…und enden wir mit den guten Dingen:

  • Guter Sucher (100% Abdeckung, Vergrößerung 0,71x, 22 mm Eyepoint (Besser als bei der Mark II und besser als bei Nikon D4 & D800.)
  • Vernünftige Auflösung von 22 Megapixeln
  • Sehr gute Lichtempfindlichkeit, die von der bereits guten Mark II noch gesteigert wurde, ISO-Bereich von 100-25600, erweiterbar nach unten auf 50 und nach oben auf 102400(!)
  • Videoaufnahme mit 100-25600 ASA möglich
  • weniger Rolling-Shutter-Verwischungen durch schnelleres Auslesen des Sensors, weniger Moire und Artefakte bei der Videoaufnahme durch komplettes Auslesen des Sensors – kein „Line Skipping“ mehr!
  • Besserer Autofokus und höhere Serienbildgeschwindigkeit

Canon hat einen interessanten Weg eingeschlagen. Die wirklichen Verbesserungen liegen fast alle im Photobereich – vernünftige Auflösung, sehr gute Lichtempfindlichkeit, schneller AF, guter Sucher. Hätte ich mehr Canon-Objektive, würde ich die 5D Mark III für die Photographie sofort kaufen.

Canons Idee der Mark III scheint mir aber eine völlige Umkehr des Konzepts der Vorgängerin zu sein. War die Mark II eine aufregende Videokamera, die ein paar Schwächen im Photobereich hatte (relativ langsam, schlechter AF), welche aber für die meisten Leute durch die gute Lichtempfindlichkeit und die damals hohe Auflösung ausgeglichen wurden, ist die Mark III eine hervorragende Photokamera ohne Schwächen, setzt aber Canons Siegeszug im Videobereich nicht fort.

Es sei mir und anderen Videographen gegönnt, Canon hier an den hohen Erwartungen zu messen, welche die Firma mit der Mark II geweckt hat. Die 5D Mark III ist nicht die angekündigte 4K-Video-SLR, sie ist nicht das „nächste große Ding in Sachen Video“ von Canon. Diese Erwartungen hat sie enttäuscht.

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