Kurzbesuch bei Canon und Nikon auf der IFA 2009

Die großen Hersteller heben sich heutzutage selten Produktvorstellungen für Messen auf. Bei einem Rundgang auf einer solchen kann man jedoch meist die kürzlich vorgestellten Dinge in die Hand nehmen – oder hinter Glas bewundern.

Canon hatte sich ein eigenes Zelt mitgebracht und im Freigelände der IFA aufgestellt. Durch den weißen Stoff der großen Konstruktion wurde das Tageslicht angenehm gedämpft und verschaffte der Technik damit einen kleinen Schönheitsvorteil gegenüber den in kunstlichtbeleuchteten Hallen präsentierten Produkten der meisten anderen Hersteller.

Kurz vor der IFA hatte Canon die 7D vorgestellt und hier konnte man sie auch in die Hand nehmen. Meiner ganz persönlichen Meinung nach verbessert sich Canon langsam in der Gestaltung ihrer SLR-Gehäuse, die 7D ist ansprechend gestaltet und läßt sich gut halten. Das Besondere im Videobereich sind die wählbaren Bildraten, je nach Betriebsart (PAL oder NTSC) kann man hier z.B. in NTSC 24 oder 30 in der großen HD-Auflösung einstellen. Möchte man allerdings 25 Bilder/s, muß man vorher in einem anderen Menü erst auf PAL umschalten. Ein wenig umständlich, aber erträglich – so oft wird man die Bildrate vermutlich nicht wechseln.

Sehr positiv ist mir das schnellere Liveview-Bild der 7D aufgefallen. Liefen Bewegungen bei der 5D Mark II noch nicht ganz flüssig (15 fps?), so sehen sie bei der 7D butterweich aus. Schon bei der Aufnahme kann man so das Bild besser abschätzen und mir schien es auch angenehmer für die Augen zu sein. Die 7D ist damit videotechnologisch an der 5D Mark II vorbeigezogen, letztere hat ihr aber noch den größeren Sensor voraus.

Bei Nikon konnte man die D300s in die Hand nehmen. Das neue 70-200mm/2.8 gab es nur als Prototypen hinter Glas zu bestaunen, es soll im November auf den Markt kommen. Da ich mehr an einer Vollformatkamera mit Videofähigkeiten interessiert bin, versuchte ich den Mitarbeitern am Stand einige Informationen oder wenigstens vage Andeutungen zu entlocken. Ohne Erfolg, wie zu erwarten war. Gerüchteweise könnte ja ein Nachfolger der D700 im Herbst erscheinen, aber auch dazu wollte oder konnte sich niemand äußern.

Wie schon bei Canon zu beobachten war, wußten die deutschen Mitarbeiter offenbar auch nicht viel über die Politik der japanischen Mutterkonzerne und meinten auch, darauf keinen großen Einfluß zu haben. Sie verkaufen einfach das, was die Japaner herstellen.

Bei Nikon Deutschland scheint man auch das Thema Video nicht sonderlich ernst zu nehmen und hält es nicht für nötig, der 5D Mark II etwas entgegenzusetzen. Eine traurig arrogante Einstellung für eine Firma, die den Videomarkt mit etwas mehr Engagement aufrollen könnte – man fragt sich fast, warum sie vor einem Jahr die D90 mit Videofähigkeiten ausgestattet haben.

So bleibt mir als Schlußwort nur ein Zitat auf meine Frage nach einer Vollformatkamera mit Videofähigkeiten von Nikon: „Warten, warten, warten.“


 
 
 

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